66 Kinos

Do. 1. März 2018, kinoki mikrokino # 220
19:00 depot, Breitegasse 3

66 Kinos
Philipp Hartmann (D 2016, 97min, OmeU)
Filmstill aus 66 Kinos (R: Philipp Hartmann)
Nach der Fertigstellung seines letzten Films "Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe" (D 2013) beschloss Philipp Hartmann, die Dinge, wie gewohnt, selbst in die Hand zu nehmen. Akribisch geplant, begann er mit seinem Film im Gepäck eine Tour durch die deutsche Kinolandschaft. Wehmütig, berührend und melancholisch, nie sentimental und mit einem wohldosierten Maß an Witz und Subversion, beschreibt der Film anhand von 66 deutschen Kinos, wie sich die Bedingungen und die Aufführungspraxis im allgemeinen verändert haben. Leicht wird es den einzelnen Kinobetreiber_innen nicht gemacht. Gesetzliche Auflagen, die Umstellung auf digitale Formate und der Druck internationaler Filmkonzerne gekoppelt an teure Verleihgebühren, macht das Überleben kleinerer Land und Alternativkinos nicht gerade leicht. So unterschiedlich die Strategien der Einzelkämpfer_innen auch sein mag, was sie alle verbindet ist ihre Beharrlichkeit in ihrem Tun und ihre unabdingbare Liebe zum Medium Film in all seinen Facetten.
Anschließend Gespräch mit Philipp Hartmann

Ververoz (The hot part of the city)

Do., 8. Februar 18
20:00 Topkino (Großer Saal)

Ververoz (The hot part of the city)
Dokumentarfilm, türkisch Kurdistan 2017, 60 Minuten
Regie: Piran Baydemir, Kurdisch & Türkisch mit englischen Untertiteln

Ververoz (R: Baydemir)
Im Jahr 2016 bombardierte der türkische Staat kurdische Städte im Osten der Türkei. 103 Tage lang wurde Sur, die historische Altstadt Diyarbakirs (Kurdisch: Amed) bombardiert, aus Panzern und Hubschraubern beschossen und in Schutt und Asche gelegt. Vor allem rebellische kurdische Jugendliche leisteten Widerstand. Der neue Dokumentarfilm des preisgekrönten jungen kurdischen Filmemachers Piran Baydemir begleitet Eltern, FreundInnen und Angehörige  während langer Wochen der Suche nach den sterblichen Überresten ihrer bei der Belagerung gefallenen Liebsten.
Anschließend Publikumsgespräch mit Piran Baydemir

Eine Veranstaltung von kinoki und Kurdistan Kämpft in Kooperation mit YXK Wien.


Der Mann mit dem bunten Ballon

Do. 1. Februar 2018, kinoki mikrokino # 229
19:00 depot, Breitegasse 3

Der Mann mit dem bunten Ballon

"Die Körper sind im Raume und die Handlungen in der Zeit", proklamierte Lessing vor 250 Jahren in seinen Überlegungen zur Kunsttheorie. Die medialen Untersuchungen von Muzak & Riha weisen über diese verfestigte Erkenntnis hinaus. Das KünstlerInnen-Duo arbeitet an den Schnittflächen von Film und bildender Kunst, und bringt die Medien solcherart zum Einsatz, dass die Logik der Körper im Raum und der Handlungen in der Zeit ihre Selbstverständlichkeit verliert.

Muzak & Riha stellen ihren jüngsten Animationsfilm vor und sprechen auch über ihre "ältesten" medialen Konzepte. 

"you can't be neutral on a movin' train"

Do. 11. Jänner 2018, kinoki mikrokino # 228
19:00 depot, Breitegasse 3

"you can't be neutral on a movin' train"

Die Kunst der Stunde heißt Widerstand
Seit mehr als 25 Jahren stellt kinoki in Wien politische Dokumentarfilme zur Debatte und arbeitet mit am kritischen Verständnis der filmischen Konstruktion von Wirklichkeit. Der Bezug auf die Euphorie der historischen Anfänge, als das Kinoki-Kollektiv im Zuge der Sowjet-Revolution die Sterne mit ihren Projektoren blenden wollte, hat im Lauf der Zeit einem politischen Pragmatismus Platz gemacht, der die dokumentarische Illusion als gleichzeitige Überlistung und Verdichtung der Realität untersucht. Damit bringt kinoki ein Jahrhundert Euphorie und ein Vierteljahrhundert Pragmatismus in die Debatte ein, um erneut die Frage zu stellen: "Was tun?"
Ein Abend mit Bildbeispielen aus der Kinoki-Geschichte und mit Überraschungsgästen.

Seeing Voices

Do., 7. Dezember 17, kinoki mikrokino #227
19:00 depot, Breitegasse 3

Seeing Voices
Regie: Dariusz Kowalski, A 2017, 93 min.

Filmstill aus: Seeing Voices (R: Dariusz Kowalski)
Die ProtagonistInnen in Seeing Voices sind zwar gehörlos, aber ohne Worte sind sie deshalb wahrlich nicht: Die Gebärdensprache birgt ein Paralleluniversum voller Ausdruckskraft und Magie, das den meisten Hörenden unerschlossen bleibt. Ayse, Helene und die gehörlosen Mitglieder der Familie Hager vermissen weder Musik noch das Zwitschern der Vögel, schließlich haben sie es nie gehört, sehr wohl aber vermissen sie das Recht auf ihre Muttersprache. Diesen schmalen Grat zwischen der hörenden und der gehörlosen Welt meistern sie alle auf völlig unterschiedliche Weise – aber keineswegs leise (Auszug aus der Pressemitteilung).
Anschließend Gespräch mit Dariusz Kowalski 

Wir glaubten, die Sonne geht nicht wieder auf

Do 23. November um 19 h im Amerlinghaus, 7; Stiftgasse 8, Raum 4
Ein Abend der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück und FreundInnen (ÖLGRF) in Zusammenarbeit mit KINOKI.

Der verdrängte und vergessene Oldenburger Prozess
D 2015, 100 min, Dokumentarfilm von Farschid Ali Zahedi

Im August 1965 begann vor dem Oldenburger Landgericht ein Mordprozess, der als das aufwändigste Verfahren der Oldenburger Justizgeschichte gilt. Zwei Männer standen damals vor Gericht, die angeklagt waren, während des Zweiten Weltkriegs in der ukrainischen Stadt Kowel an der Ermordung tausender jüdischer Menschen beteiligt gewesen zu sein. Anhand von Zeitzeugeninterviews, Aufnahmen von Originalschauplätzen in der Ukraine sowie in Israel und nie zuvor öffentlich gezeigten historischen Materialien dokumentiert der 100minütige Film eindrucksvoll das Geschehen in und um Kowel und des nachfolgenden Prozesses in Oldenburg.
Anschließend Gespräch mit Regisseur Farschid Ali Zahedi.

Tanz und gib ihm!

Do. 16. November 17, kinoki mikrokino #226
19:00 depot, Breitegasse 3

Tanz und gib ihm! (R: Tina Leisch, A 2016, 83 min.)
Aleks, David und Miki, die Kämpfer aus dem Jugendzentrum, sind Fans von Philipp Schranz/Österreichischer Meister in Mixed Martial Arts. Die Jungfilmemacher Lorenz und Philipp bewundern Franz-Josef Huainigg, der trotz seiner körperlichen Beeinträchtigungen Nationalratsabgeordneter ist. Fatih, der Journalist werden möchte, ist fasziniert von Franz Viehböck, der erste und bisher einzige Österreicher im All und von Max Schrems, der erfolgreich Facebook verklagt hat. Stefan, der als Sohn zweier Lesben aufgewachsen ist, führt neugierig-liebvolle Gespräche mit seinem Samenspender-Vater und Jungfußballer Daniel träumt von David Alaba, Österreichs aktuell größtem Fußballstar. Tina Leischs Film begleitet den Alltag von 15 jungen Männern aus unterschiedlichen Familien auf dem Weg zur Verwirklichung ihrer Träume. "Schweben wie ein Schmetterling und stechen wie eine Biene", sagte Muhammad Ali. Aleks übersetzt das ins Wienerische: "Tanz und gib ihm!". Muhammad Ali hätte das bestimmt gefallen.

Anschließend Gespräch mit der Filmemacherin Tina Leisch.

How did we get to this strange place?

Mi. 11. Oktober 17, kinoki mikrokino #225
19:00 depot, Breitegasse 3

Cinelecture mit Filmbeispielen und Diskussion

Hypernormalization
Wer die Geschichte(n) schreibt, beherrscht die Welt! Oder war es einmal umgekehrt? Mit “Hypernormalisation” bezeichnet der russische Autor Alexei Yurchak die schizophrene Gegensätzlichkeit zwischen sozialer Realität und produzierter medialer Repräsentation der ‘Last Soviet Generation’. Der britische Dokumentarfilmer Adam Curtis arbeitet mit dem Archiv der BBC. Der Internetfilm beleuchtet das Aufkommen neoliberaler Politik im “Westen” und die Radikalisierung des Islam im “Osten” als parallele Entwicklungen. Von 1975 bis zum zeitgenössischen Status quo: “we have become lost in a fake world and cannot see the reality outside”. Bilderwütender, subjektiver Essay und Analyse wie Eliten mit allen Mittel versuchen ihre Ideologien durchzusetzen. Where do we go from here? Mit Nicolai Gütermann.

Kleine Manifeste #06: KLEINE PIONIERE

Dienstag 13.6., 20:00
Medienwerkstatt Wien 1070, Neubaugasse 40a

Eingeladen von der Medienwerkstatt Wien stellt Kinoki seine Arbeit vor und präsentiert den befreundeten Filmemacher Želimir Žilnik

Filmstill aus: Little Pioneers (1968)
„Wir blenden die Sterne mit unseren Projektoren!“ Die Devise entnahmen wir dem Manifest der KINOKI aus den 1920ern, die Projektoren dem Müllhaufen der Geschichte, auf dem die Errungenschaften der ehemaligen DDR in den 1990ern entsorgt wurden. Seitdem arbeiten wir daran, der dokumentarischen Illusion von filmischer Wirklichkeit als gleichzeitige Überlistung und Verdichtung der Realität auf die Spur zu kommen. Denn Einsichten in die Fabrikationen des Dokumentarischen als technische, soziale und politische Prozesse sprengen festgefahrene Identitäten und bringen die Möglichkeiten von Solidarität erneut ins Spiel. Aus diesen Gründen zeigen wir Filme, machen Filme, und laden Leute ein, die Filme machen, um sie gemeinsam zu diskutieren.

Little Pioneers (R: Želimir Žilnik, YU 1968, 14min.)
Auf sich allein gestellte Kinder erzählen von ihrem Leben und ihren Unternehmungen. Dabei wird die Filmkamera zur Komplizin.

Cosmo Girls (R: Želimir Žilnik, HU 2000, 26min.)
Portraits von Frauen, die davon handeln, wie sie sich und ihre Familien mit den unterschiedlichsten Tätigkeiten ökonomisch absichern.

Anschließend Gespräch mit dem Regisseur Želimir Žilnik
Žilnik wurde 1942 in einem Konzentrationslager im damaligen Jugoslawien geboren und hat sich seit Ende der 60er Jahre einen Namen als Sozialkritiker, Freiheitskämpfer und Wanderer zwischen inszeniertem und dokumentarischem Film gemacht und sich neben der Arbeit an seinen Langfilmen auch immer wieder in der kurzen Form ausgedrückt. Žilniks filmisches Schaffen, früh gekrönt durch einen Goldenen Bären der Berlinale, beschäftigt sich mit politischen Umbrüchen, sozialen Außenseitern und gesellschaftlichen Missständen und ist historisch geprägt vom Auseinanderfallen Jugoslawiens und dem Ende des Sozialismus, von Kriegen und sich ständig wandelnden Staatlichkeiten. Nachdem er in den 70ern Exil in Deutschland suchte, stellt Žilnik sich heute den Herausforderungen einer Gesellschaft in Transformation.

Anarchie in Europa

Do. 8. Juni 17, kinoki mikrokino #224
19:00 depot, Breitegasse 3

Projekt A – Eine Reise zu anarchistischen Projekten in Europa
Regie: Marcel Seehuber & Moritz Springer, D/ES/GR/CH 2015, 84 min., dt. OF.

Anarchie ist machbar, Herr Nachbar! Dreißig Jahre nach dem Ende des real existierenden Sozialismus, mitten in der kapitalistischen Krise wirken die Ideen der anarchistischen Herrschaftslosigkeit und Selbstorganisation taufrisch. Aber gibt es ein richtiges Leben im Falschen? "Projekt A" nimmt die ZuschauerInnen mit auf eine Reise zu anarchistischen Projekten in Europa. Die Filmemacher sind zu Gast beim „Internationalen Anarchistischen Treffen“ in der Schweiz, besuchen die Anti-Atom-Aktivistin Hanna Poddig und treffen Mitglieder der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CGT in Barcelona. Weitere Stationen ihrer Reise sind der zum öffentlichen Park umgestaltete Parkplatz „Parko Narvarinou“ in Athen und das Münchener „Kartoffelkombinat“. Die ProtagonistInnenen dieser Projekte zeichnen ein vielfältiges Bild von konkreten anarchistisch inspirierten Praxen.

Anschließend: Gespräch mit Philosoph und Autor Robert Foltin.

Minor Borders: Kleine Grenzen, große Grenzregimes


Do. 4. Mai 17, kinoki mikrokino #223
19:00 depot, Breitegasse 3

Minor Borders: Kleine Grenzen / große Grenzregimes

Lisbeth Kovacic: Minor Boders
"In Europa wird man nicht mit Waffen getötet, hier sind es Stift und Papier" heißt es in der Kurzdoku Minor Border/Kleine Grenze. Lisbeth Kovacic unternimmt in ihren Arbeiten subtile Erkundungen in den Grenzgebieten zwischen Fakten, Emotionen und Migrationsbewegungen. Neben einigen preisgekrönten Videos stellt die Künstlerin und Aktivistin ihr aktuelles Projekt vor, einen Langfilm über den heißen Sommer 2015 in Nickelsdorf. An diesem Ort überkreuzten sich die verlorene Utopie des grenznahen Kleylehofes und eine scheinbar realisierte Utopie von Bewegungsfreiheit, die sich tausende von Refugees aus Budapest kommend genommen hatten.

Minor Border (2015), 25min. Lisbeth Kovacic
Während die Bilder die Demontage der architektonischen Zeugnisse überkommener Grenzstationen dokumentieren, wird im Ton über die Etablierung neuer Grenzregimes reflektiert.

#theircatsaswell
(2016), 4 min. Lisbeth Kovacic
Ein animierter WhatsApp-Chat zwischen österreichischen AktivistInnen und syrischen Refugees auf dem Weg nach Deutschland - samt ihrer Katze.

In Anwesenheit von Lisbeth Kovacic.

OCCUPY/RESIST/PRODUCE

Do., 20.04.17 kinoki mikrokino #222
19:00 depot, 7. Breitegasse 3

OCCUPY – RESIST – PRODUCE: Die Neuerfindung von Arbeit und Selbstverwaltung

Filmstill aus: Vio.Me (2015)
Die Massenentlassungen und Fabrikschließungen in Folge der seit 2007 andauernden Finanzkrise haben die Frage nach der ArbeiterInnen-Selbstverwaltung neu gestellt. Die Dokumentarfilm-Trilogie OCCUPY, RESIST, PRODUCE von Oliver Ressler und Dario Azzellini untersucht drei Beispiele von Fabriksbesetzungen, die sich in erfolgreiche Experimente zur Neuerfindung der Arbeit im 21. Jahrhundert entwickelt haben. Mailand, Rom und Thessaloniki sind die Stationen, in denen ausgesperrte ArbeiterInnen ihre Fabriken übernehmen und im Kollektiv neue Produktionsweisen erfinden. Die gesamte Trilogie zum ersten Mal in Wien samt anschließendem Gespräch mit Oliver Ressler.

Occupy, Resist, Produce – Vio.Me., 30 min., 2015 (OmdtU), Oliver Ressler, Dario Azzellini.
Occupy, Resist, Produce – Officine Zero, 33 min., 2015 (OmdtU), Oliver Ressler, Dario Azzellini.
Occupy, Resist, Produce – RiMaflow, 34 min., 2014 (OmdtU), Oliver Ressler, Dario Azzellini.