Der Zirkel

Do, 22. November, kinokis mikrokino #235
19:00 depot, Breitegasse 3

Der Zirkel. Über die unmöglichen Möglichkeiten biographischer Forschung

Die Zeitschrift "Der Zirkel"
Die jüngste Ausgabe der von Peter Schreiner herausgegebenen Fachzeitschrift für Zeitgeschichte "Der Zirkel" widmet sich der Frage nach den Möglichkeiten der Rekonstruktion von Biographien vor dem Hintergrund der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum der Forschung stehen die vielfältigen Schwierigkeiten einer historischen Untersuchung der Gegenwart: unvollständige Archive, disparate Materialien und unsystematische Bemühungen von AmateurforscherInnen. Auf den Spuren eines gewissen Kurt Günther Maria Fride wird die kritische Untersuchung von bereits konstruierten Sinnstiftungen zu einer Suche nach dem Sinn dieser Konstruktionen selbst.

Forschungsgespräch mit Peter Schreiner

Warum die Wunde offen bleibt

Do, 4. Oktober 2018, kinokis mikrokino #234
19:00 depot, Breitegasse 3

Warum die Wunde offen bleibt
Regie: Marika Schmiedt (Ö 2016) 80 min.

Marika Schmiedt in: Warum die Wunde offen bleibt
Der neueste Dokumentarfilm der kämpferischen Künstlerin und Aktivistin Marika Schmiedt beschäftigt sich mit der Aufarbeitung des Holocausts an Roma und Sinti durch die nächsten Generationen. Im Mittelpunkt des Films stehen Gespräche mit drei beeindruckenden Frauen: Anna Gleirscher-Entner arbeitet seit Jahren als psychosoziale Beraterin und hat das Sachbuch „Das Unaussprechliche in der psychosozialen Beratung von Sinti und Roma“ verfasst. Das Schweigen über den Holocaust, über die Vertreibung und Ermordung von Familienmitgliedern, führten sie schlussendlich zu dem „Tabubruch“, öffentlich über kollektive und individuelle Traumata zu reden und zu publizieren. Elisabeth Brainin, Psychoanalytikerin, berichtet über psychologische Hintergründe der sogenannten Mehrheitsgesellschaft. Die Schriftstellerin und Aktivistin Simone Schönett erzählt vom Verdecken, Verstecken und von der Assimilation gegen die sie anschreibt.

Anschließend Gespräch mit Marika Schmiedt

You Can't Be Neutral...

Do. 14. Juni 2018, kinoki mikrokino # 233
19:00 depot, Breitegasse 3

Howard Zinn: You Can't Be Neutral On A Moving Train 
Eine amerikanische Lebensgeschichte
Deb Ellis & Denis Müller (USA 2004, 78 Min., OmdtU.)

Filmstill aus: You Can't Be Neutral... (H. Zinn rechts im Bild)
"Es wäre nicht übertrieben zu behaupten, dass Howard Zinn das Bewusstsein einer ganzen Generation veränderte." Noam Chomsky
Der Versuch Howard Zinns Leben und Aktivismus in 78 Minuten zu porträtieren, hätte nur zu leicht scheitern können. Die politischen Interventionen des rastlosen und uneitlen Menschen, der keine Neutralität kennt, sind vielschichtig und facettenreich: Werftarbeiter in New York, Kampfflieger im 2. Weltkrieg, Professor für Geschichte in den bürgerrechtsbewegten Südstaaten der frühen 1960er, Anti-Vietnamkriegsaktivist, Gewerkschaftler, Intellektueller und Autor einer umfassenden Geschichte der USA aus der Perspektive der Ausgebeuteten und Marginalisierten. Eine Lebensgeschichte, die wie die Kartographie einer unaufhaltsamen Bewegung gegen die Unmenschlichkeit der herrschenden Verhältnisse anmutet. Doch der Versuch ist geglückt: die kontrastreiche Montage von seltenen Archivmaterialien und sorgfältig ausgewählten Texten, Reden und Interviews zeigt einen lebendigen, unbeugsamen und hellwachen Menschen, dessen Ideen ebenso funkeln wie seine Augen. Anschließend Diskussion

Der Gipfel – Performing G20

Do. 17. Mai 2018, kinoki mikrokino # 232
19:00 depot, Breitegasse 3

Der Gipfel – Performing G20
Rasmus Gerlach (D 2017, 77min.)

Filmstill aus: Der Gipfel - Performing G20 (R: R. Gerlach)
Rasmus Gerlach wurde als jugendlicher Demonstrant schon mit dem stärksten Wasserwerfer beschossen und hat sich in seinem Film „Gefahrengebiete & andere Hamburgensien“ bereits intensiv mit Polizeigewalt auseinandergesetzt. Anfang Juli 2017 taucht er mit einem Team von fünf Kamera-Leuten tief in das Protest-Geschehen rund um den G20-Gipfel ein und dreht einen persönlichen Film. Auf den Straßen finden Protest-Performances als neue Form des Demonstrierens viel Anklang, doch die bunten Szenen werden bald von den Bildern der Gewalt-Eskalation überschattet. Das Filmprojekt holt die interessanten Momente der Aktionskunst auf den Demonstrationen wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zurück und entwirft ein komplexes Bild der Gipfel-Tage, die Hamburg weltberühmt machten.
Anschließend Gespräch mit Rasmus Gerlach

Perperik / Nur die Toten kehren heim


Do. 12. April 2018, kinoki mikrokino # 231
19:00 depot, Breitegasse 3

Perperik
Nurdane Türkmen (A/Rojava 2015, 20 min. OmU)

Filmstill aus "Perperik"
Der Krieg hinterlässt Spuren. Ein Loch in der Mauer einer Schulklasse gibt den Blick auf die zerstörte Stadt frei. Eine riesengroße Sonne um das furchteinflößende Loch herum, von Kindern gemalt, zaubert Hoffnung in das Klassenzimmer. Perperik heißt Schmetterling in kurdischer Sprache und steht für die zarte Hoffnung der Kinder und den Neubeginn nach dem Krieg. Schonungslos werden deprimierende Bilder der Kriegsfolgen eingefangen, aber immer mit dem Blick auf die Kinder, die ganz augenscheinlich die Hoffnungsträger der Region sind.


Nur die Toten kehren heim
Tina Leisch & Ali Can (A/Kurdistan 2015, 81min.)

Filmstill aus "Nur die Toten kehren heim"
Über eine Million Kurd_innen leben in Europa im Exil, viele als politische Flüchtlinge, die nicht in die Türkei zurückkehren können, weil sie dort sofort eingesperrt würden. Aber auch in vielen EU-Staaten werden kurdische Freiheitskämpfer_innen als Terrorist_innen verfolgt. Der Film portraitiert einige der Exilierten, fährt an die Orte in Kurdistan, an die sie selber nicht zurück können und begegnet dort dem Widerstand der kurdischen Zivilgesellschaft gegen die autoritäre, minderheitenfeindliche Politik des türkischen Staates. Wir begegnen z.B. der Bürgermeisterin von Nusaybin, die mit 80% der Stimmen gewählt wurde und doch ständig von Polizei und Regierung unter Druck gesetzt wird. Wir lernen eine der Journalistinnen kennen, die die systematische Folter an kurdischen Kindern und Jugendlichen im Gefängnis von Pozanti aufgedeckt hat. Wir begleiten die Särge der drei in Paris im Jänner 2013 ermordeten kurdischen Aktivisten auf ihrem letzten Weg.
Dabei begegnen wir einer Befreiungsbewegung, die von demokratischen, multiethnischen und feministischen Idealen genauso inspiriert ist, wie vom Kampf für die kurdische Sprache und Kultur.
Anschließend Gespräch mit Tina Leisch und einer Aktivistin von der Initiative Help Kobanê.

66 Kinos

Do. 1. März 2018, kinoki mikrokino # 230
19:00 depot, Breitegasse 3

66 Kinos
Philipp Hartmann (D 2016, 97min, OmeU)
Filmstill aus 66 Kinos (R: Philipp Hartmann)
Nach der Fertigstellung seines letzten Films "Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe" (D 2013) beschloss Philipp Hartmann, die Dinge, wie gewohnt, selbst in die Hand zu nehmen. Akribisch geplant, begann er mit seinem Film im Gepäck eine Tour durch die deutsche Kinolandschaft. Wehmütig, berührend und melancholisch, nie sentimental und mit einem wohldosierten Maß an Witz und Subversion, beschreibt der Film anhand von 66 deutschen Kinos, wie sich die Bedingungen und die Aufführungspraxis im allgemeinen verändert haben. Leicht wird es den einzelnen Kinobetreiber_innen nicht gemacht. Gesetzliche Auflagen, die Umstellung auf digitale Formate und der Druck internationaler Filmkonzerne gekoppelt an teure Verleihgebühren, macht das Überleben kleinerer Land und Alternativkinos nicht gerade leicht. So unterschiedlich die Strategien der Einzelkämpfer_innen auch sein mag, was sie alle verbindet ist ihre Beharrlichkeit in ihrem Tun und ihre unabdingbare Liebe zum Medium Film in all seinen Facetten.
Anschließend Gespräch mit Philipp Hartmann

Ververoz (The hot part of the city)

Do., 8. Februar 18
20:00 Topkino (Großer Saal)

Ververoz (The hot part of the city)
Dokumentarfilm, türkisch Kurdistan 2017, 60 Minuten
Regie: Piran Baydemir, Kurdisch & Türkisch mit englischen Untertiteln

Ververoz (R: Baydemir)
Im Jahr 2016 bombardierte der türkische Staat kurdische Städte im Osten der Türkei. 103 Tage lang wurde Sur, die historische Altstadt Diyarbakirs (Kurdisch: Amed) bombardiert, aus Panzern und Hubschraubern beschossen und in Schutt und Asche gelegt. Vor allem rebellische kurdische Jugendliche leisteten Widerstand. Der neue Dokumentarfilm des preisgekrönten jungen kurdischen Filmemachers Piran Baydemir begleitet Eltern, FreundInnen und Angehörige  während langer Wochen der Suche nach den sterblichen Überresten ihrer bei der Belagerung gefallenen Liebsten.
Anschließend Publikumsgespräch mit Piran Baydemir

Eine Veranstaltung von kinoki und Kurdistan Kämpft in Kooperation mit YXK Wien.


Der Mann mit dem bunten Ballon

Do. 1. Februar 2018, kinoki mikrokino # 229
19:00 depot, Breitegasse 3

Der Mann mit dem bunten Ballon

"Die Körper sind im Raume und die Handlungen in der Zeit", proklamierte Lessing vor 250 Jahren in seinen Überlegungen zur Kunsttheorie. Die medialen Untersuchungen von Muzak & Riha weisen über diese verfestigte Erkenntnis hinaus. Das KünstlerInnen-Duo arbeitet an den Schnittflächen von Film und bildender Kunst, und bringt die Medien solcherart zum Einsatz, dass die Logik der Körper im Raum und der Handlungen in der Zeit ihre Selbstverständlichkeit verliert.

Muzak & Riha stellen ihren jüngsten Animationsfilm vor und sprechen auch über ihre "ältesten" medialen Konzepte. 

"you can't be neutral on a movin' train"

Do. 11. Jänner 2018, kinoki mikrokino # 228
19:00 depot, Breitegasse 3

"you can't be neutral on a movin' train"

Die Kunst der Stunde heißt Widerstand
Seit mehr als 25 Jahren stellt kinoki in Wien politische Dokumentarfilme zur Debatte und arbeitet mit am kritischen Verständnis der filmischen Konstruktion von Wirklichkeit. Der Bezug auf die Euphorie der historischen Anfänge, als das Kinoki-Kollektiv im Zuge der Sowjet-Revolution die Sterne mit ihren Projektoren blenden wollte, hat im Lauf der Zeit einem politischen Pragmatismus Platz gemacht, der die dokumentarische Illusion als gleichzeitige Überlistung und Verdichtung der Realität untersucht. Damit bringt kinoki ein Jahrhundert Euphorie und ein Vierteljahrhundert Pragmatismus in die Debatte ein, um erneut die Frage zu stellen: "Was tun?"
Ein Abend mit Bildbeispielen aus der Kinoki-Geschichte und mit Überraschungsgästen.

Seeing Voices

Do., 7. Dezember 17, kinoki mikrokino #227
19:00 depot, Breitegasse 3

Seeing Voices
Regie: Dariusz Kowalski, A 2017, 93 min.

Filmstill aus: Seeing Voices (R: Dariusz Kowalski)
Die ProtagonistInnen in Seeing Voices sind zwar gehörlos, aber ohne Worte sind sie deshalb wahrlich nicht: Die Gebärdensprache birgt ein Paralleluniversum voller Ausdruckskraft und Magie, das den meisten Hörenden unerschlossen bleibt. Ayse, Helene und die gehörlosen Mitglieder der Familie Hager vermissen weder Musik noch das Zwitschern der Vögel, schließlich haben sie es nie gehört, sehr wohl aber vermissen sie das Recht auf ihre Muttersprache. Diesen schmalen Grat zwischen der hörenden und der gehörlosen Welt meistern sie alle auf völlig unterschiedliche Weise – aber keineswegs leise (Auszug aus der Pressemitteilung).
Anschließend Gespräch mit Dariusz Kowalski 

Wir glaubten, die Sonne geht nicht wieder auf

Do 23. November um 19 h im Amerlinghaus, 7; Stiftgasse 8, Raum 4
Ein Abend der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück und FreundInnen (ÖLGRF) in Zusammenarbeit mit KINOKI.

Der verdrängte und vergessene Oldenburger Prozess
D 2015, 100 min, Dokumentarfilm von Farschid Ali Zahedi

Im August 1965 begann vor dem Oldenburger Landgericht ein Mordprozess, der als das aufwändigste Verfahren der Oldenburger Justizgeschichte gilt. Zwei Männer standen damals vor Gericht, die angeklagt waren, während des Zweiten Weltkriegs in der ukrainischen Stadt Kowel an der Ermordung tausender jüdischer Menschen beteiligt gewesen zu sein. Anhand von Zeitzeugeninterviews, Aufnahmen von Originalschauplätzen in der Ukraine sowie in Israel und nie zuvor öffentlich gezeigten historischen Materialien dokumentiert der 100minütige Film eindrucksvoll das Geschehen in und um Kowel und des nachfolgenden Prozesses in Oldenburg.
Anschließend Gespräch mit Regisseur Farschid Ali Zahedi.

Tanz und gib ihm!

Do. 16. November 17, kinoki mikrokino #226
19:00 depot, Breitegasse 3

Tanz und gib ihm! (R: Tina Leisch, A 2016, 83 min.)
Aleks, David und Miki, die Kämpfer aus dem Jugendzentrum, sind Fans von Philipp Schranz/Österreichischer Meister in Mixed Martial Arts. Die Jungfilmemacher Lorenz und Philipp bewundern Franz-Josef Huainigg, der trotz seiner körperlichen Beeinträchtigungen Nationalratsabgeordneter ist. Fatih, der Journalist werden möchte, ist fasziniert von Franz Viehböck, der erste und bisher einzige Österreicher im All und von Max Schrems, der erfolgreich Facebook verklagt hat. Stefan, der als Sohn zweier Lesben aufgewachsen ist, führt neugierig-liebvolle Gespräche mit seinem Samenspender-Vater und Jungfußballer Daniel träumt von David Alaba, Österreichs aktuell größtem Fußballstar. Tina Leischs Film begleitet den Alltag von 15 jungen Männern aus unterschiedlichen Familien auf dem Weg zur Verwirklichung ihrer Träume. "Schweben wie ein Schmetterling und stechen wie eine Biene", sagte Muhammad Ali. Aleks übersetzt das ins Wienerische: "Tanz und gib ihm!". Muhammad Ali hätte das bestimmt gefallen.

Anschließend Gespräch mit der Filmemacherin Tina Leisch.